Bonner Heldenstimmen.


Bonnerhelden
Notfallrettung

Robert O. (36)

„Klar, mit ehrenamtlichem Engagement tut man etwas für die Gemeinschaft. Aber man hat auch selbst handfeste Vorteile. Als Arbeitgeber würde ich immer Leute mit ehrenamtlichem Hintergrund bevorzugen. Auch mir selbst hat das Ehrenamt beruflich sehr geholfen. Man erwirbt einfach sehr viele Kompetenzen, die man im Arbeitsalltag brauchen kann. Und wer kann schon mit Anfang Zwanzig von sich sagen, dass er Führungsverantwortung trägt? Dass er einen eigenen Trupp leitet?

Ich bin seit rund 20 Jahren im Katastrophenschutz, und es macht mir noch immer Spaß. Eingefangen haben mich damals die Leute. Es gibt eine enorme Bandbreite an Menschen im Team, und jeder wird eingebunden und unterstützt – jeder ist wichtig und nützlich. Man hat immer jemanden dabei, dessen Wissen in dieser Situation hilft. Dass ich heute beim Bonner ASB bin, liegt auch an dem Team. Weil das Team jung und dynamisch ist, gibt es keine verknöcherten Strukturen, und jeder kann sich einbringen und die Dinge mit gestalten. Das ist mir wichtig.

Das Team spielt für die meisten von uns eine große Rolle. Und dabei ist Ehrenamt nicht nur für Leute eine Option, die innerhalb von Deutschland umziehen und sich hier vernetzen wollen. Auch Leute, die von weiter her kommen, können hier Anschluss finden und ihre Ausbildung und ihr Wissen nutzen – auch wenn sie vielleicht über etwas weniger Deutschkenntnisse verfügen.“


Sarah R. (31)

„Mir persönlich bringt das Ehrenamt beim ASB sehr viel. Ich bin viel besser auf alles vorbereitet, ob beruflich oder privat. Es geht immer irgend etwas schief. Dass du dann in der Lage bist, kurz durchzuatmen, dich zu sortieren, Informationen schnell zu ordnen und eine Entscheidung zu treffen – das lernst du so in keinem anderen Hobby. Die medizinischen Grundkenntnisse helfen auch extrem weiter. Wenn man überlegt, wie viele Haushaltsunfälle passieren …

Es macht mir aber auch einfach Spaß. Ich erlebe Dinge, die ich sonst nie erleben würde. Und da rede ich nicht davon, dass wir hier einen Grill haben, den wir auch gerne benutzen. Ich bin vor dem ASB zum Beispiel noch nie mit dem Speedboot über den Rhein gefahren. Ich habe vorher noch nie eine Übung in der Rheinaue gemacht, bei der eine ganze Insel brennt.

Genauso gibt es natürlich Situationen, die wirklich tragisch sind. Du weißt dann aber auch, dass du helfen kannst. Manchmal siehst du jemanden an und weißt: Für diesen Menschen bist du gerade extrem wichtig. Du wirst ihm ein Leben lang in Erinnerung bleiben, weil du in diesem Moment da bist und hilfst. Und dann kommst du nass, kalt und müde um 4 Uhr morgens nach Hause – und bist trotzdem glücklich.“


Christian S. (35)

„Früher hatte ich nie Zeit für Ehrenamt, obwohl Freunde mir immer wieder gesagt haben, ich soll doch mal mitkommen. Seit diesem Jahr bin ich nicht mehr Geschäftsführer von meinem Karnevalsverein, also hab ich gesagt, na gut, jetzt schau ich mir die Sache mal an. Also stand ich dann mitten in der Nacht in der Rheinaue und jemand sagte mir, ich soll die gelben Klamotten anziehen. Nee, sag ich, ich will ja nur gucken. Ja ja, sagt er, zum Gucken musst du auch die Klamotten anziehen – und dann setz dich da hinten zur Technik und Sicherheit. Ich habe an dem Abend die Technik mitgemacht, und seitdem bin ich dabei.

Ich bin ein technisch orientierter Mensch – medizinische Sachen liegen mir nicht so. Das klappt auch wunderbar, ich kann genau das tun, was mir liegt und was ich gerne mache. Jeder bringt sich mit dem ein, was für ihn passt. Ob jetzt technisch, medizinisch, organisatorisch oder unterstützend. Und es ist schon großartig anzusehen, wie alle durcheinander wuseln und es dann einfach funktioniert.

Was ich auch schon gemerkt habe: Man gewinnt sehr viel Ruhe durch die Erfahrung im Ehrenamt. Es gibt ja auch beruflich immer wieder Situationen, in denen alle kopflos in Panik durch die Gegend laufen. Wenn man es schon gewohnt ist, dass hinter einem die Hütte abbrennt, dann bleibt man ruhig. Und so kommt man eben am weitesten, gerade in hektischen Momenten.“


Krankentransport
Sanitätsdienst

Lisa K. (27)

„Eigentlich wollte ich mir nur ein wenig medizinisches Wissen aneignen und höchstens etwas ins Ehrenamt hineinschnuppern. Ich mache in meinem Job medizinische Abrechnungen und wollte einfach besser verstehen, was ich da abrechne. Deshalb habe ich eine Rettungshelfer-Ausbildung gemacht. Und dann habe ich auch mal im Sanitätsdienst mitgemacht. Zuerst bei einem Lauf in der Rheinaue, dann an Karneval … Das war 2016, und ich bin immer noch begeistert dabei.

Das Ehrenamt beim ASB ist eine totale Abwechslung von meinem Beruf. Das gefällt mir sehr gut daran. Und die Menschen sind einfach glücklich, wenn man da ist. Man kriegt auch mal ein Lächeln zurück. Die Dankbarkeit ist einfach schön.

Was mir auch sehr gut gefällt: Jeder hat im Team einen Platz, und man wird so akzeptiert, wie man ist. Jeder kann und muss sich auf die anderen verlassen. Man hat zwar auch Spaß miteinander, aber im Ernst der Lage weiß ich immer: Der hilft mir jetzt. Man erlebt gemeinsam Gutes und Schlechtes, und wenn man einmal etwas Schlechtes erlebt, redet man miteinander, und alles ist wieder gut.

Ich habe hier viele enge und dauerhafte Freundschaften geschlossen – und ich habe auch sehr viel für mich persönlich mitgenommen. Bisher habe ich die Entscheidung zum Ehrenamt wirklich nicht bereut.“


Corinna B. (37)

„Auch wenn es für manche vielleicht komisch wirkt: Es ist mir wichtig, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen. Im Endeffekt tun wir Ehrenamtler, was wir tun, damit die Leute um uns herum das machen können, was sie gerne machen. Meine Nachbarn verstehen das manchmal nicht – wenn sie zum Beispiel Stunden früher von Rhein in Flammen nach Hause kommen, weil sie Party gemacht haben, während wir im Einsatz waren. Na ja, sag ich dann, ihr hättet halt nicht feiern können, wenn ich nicht so lange da gewesen wäre.

Ich denke, uns im Ehrenamt verbindet alle das Helfer-Gen. Ohne würde man gar nicht erst damit anfangen. Dass man dabei bleibt liegt dann daran, dass es einem so viel gibt. Man lernt eine Menge, und man gewinnt einen viel breiteren Horizont.

Im Alltag erhalten viele Leute außerdem wenig Dank in ihrem Job. Ihre Leistung wird einfach als selbstverständlich hingenommen. Das ist hier komplett anders. Wenn jemand hier sein Können einbringt und die Sache läuft, freuen sich alle. Man erlebt eine ganz andere Anerkennung.

Man lernt übrigens auch sich selbst ganz neu kennen. Der Einsatz ist immer auch eine Art Abenteuer – wir wissen nie genau, was passieren wird. Es kann sein, dass ich an dem Tag plötzlich etwas mache, von dem ich immer gesagt habe, das kann ich nie im Leben – aber ich stehe da und muss es tun, und dann kann ich es auch. So lernt man, was man wirklich in sich hat. Es ist ein tolles Gefühl, zu merken: Mensch, das kann ich doch alles. Ich kann mich auf mich selbst verlassen, wenn es darauf ankommt.“